Lothar Nahler

Auf ein Wort

Predigt am Sonntag Exaudi zu Jeremia 31, 31ff
von Matthias Simon

Liebe Gemeinde!

Es ist noch kein richtiges Feiern des Gottesdienstes bei uns, Lieder fehlen und so richtige Freude kommt noch nicht auf.
Jüdische Gemeinden feiern in dieser Woche Simchat Tora – das Fest der Torafreude, sie feiern also das Geschenk der Tora. Aber auch sie werden es nicht wie gewohnt feiern können.

Wie lange soll das so weiter gehen?
Beraubung unserer Freiheit. Einschränkung von Grundrechten. Umverteilung des Kapitals. Entmündigung. Das ist alles eine Strafe Gottes – wie damals bei den Israeliten -
Nein! Völlig falsch und daneben, wer so kurze Schlüsse zieht.
Zu kurz sind die Schlüsse im Blick auf die Ursachen des etwas unkomfortableren Lebens derzeit. Zu kurz der Schluss all jener, die die Schuldigen und Ursachen zu kennen meinen und glauben, dagegen demonstrieren und Widerstand leisten zu müssen. Damit will ich mich aber gar nicht weiter befassen.
Allerdings mit einem anderen zu kurzem Schluss der über Jahrhunderte hinweg aus dem heute zu bedenkenden Text gezogen wurde.

 

Der historische Bezug war die Besetzung Israels durch babylonische Truppen dem die Zerstörung Jerusalems und vor allem des Tempels folgte. Das war im Jahr 587. Es folgte die Deportation der Oberschicht ins Exil. Zwangsumsiedlung wäre das treffendere Wort. Nur noch Erinnerungen im Herzen. Erinnerung an die Zeit als sie ein Volk waren. Erinnerung an jene Zeit, als die Tora, die Heilige Schrift heilig war. Erinnerung an die Zeit, als sie die kühne Hoffnung hatten, nämlich ein Volk zu sein, dass in den Geboten, der Weisung Gottes bleibt und so in Gerechtigkeit und Frieden und Heiligkeit lebt.
Was für eine Illusion. Alles zerplatzt wie eine Seifenblase. Der Traum platzte aber längst vor der Zerstörung des Tempels.

Manche sehen gar den Sieg Babylons und die darauf folgende Deportation als Strafe Gottes. Jene, die vom strafenden Gott erzählen gibt es zu allen Zeiten. Einer aber wollte den Israeliten Mut machen. Darum schrieb er ein Trostbuch. Es war der Prophet Jeremia.
Jeremia vertraut einem Gott, der rettet und liebt.
Darum schreibt er kühn:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloß, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR
Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Das Besondere dieser Verheißung ist, eine Erneuerung des Bundes.
Nicht mehr nur eine Schrift (zum Nehmen und weglegen) soll Grundlage ihres Lebens, ihres Glaubens sein, sondern Gott will das Gesetz, die Tora in ihr Herz geben. Die Tora ist zugleich vielmehr als das Gesetz. Es sind Glaubensentwürfe, für das Zusammenleben bedeutsame Weisungen, es ist Erinnerung an die Befreiung, es ist Hoffnung auf Rettung und Zukunft, es sind Aufforderung zum gerechten Tun. Die Tora zielt auf Befreiung von Schuld, Gewalt, Elend, auf Frieden mit Gott  und den Menschen aller Völker, auf Gerechtigkeit vor allem für Rechtlose.

Das alles soll in ihr Herz geschrieben sein.

Das ist der Wille Gottes, den Jeremia nicht als strafenden, sondern als liebenden Gott sieht und glaubt.

 

Wie nun kommen wir heutige, wir Christen darin vor?

Im Grunde gar nicht.
Und hier kommt der zu kurze Schluss, den die christliche Predigt über Jahrhunderte gezogen hat: der Bund ist erneuert worden einzig und allein in Christus und die Juden verharren weiter im alten Bund.

Damit wird man aber der Heilsgeschichte nicht gerecht.
Man wird dem nicht gerecht, wenn man meint, durch etwas Späteres sei das Frühere überholt.

Vielmehr denke ich, wissen wir überhaupt erst durch Christus von dem Heilswillen Gottes. Vor allem, so glaube ich, sind wir alle durch den jüdischen Tora-Lehrer Jesus, der für uns Christus – Retter geworden ist, in den Bund mit aufgenommen. Wir sind durch Christus Teil dieser Verheißung einer Welt, der die Tora in das Herz geschrieben ist. Und insofern kommen wir vor in diesem Text.

Auch in unser Herz ist das Gesetz Gottes eingeschrieben. Denn im Grunde wissen wir alle, was gut ist. Mitunter aber ist das Wissen darum verschüttet, einfach weggeblasen, das Herz ist mit anderen Dingen erfüllt, so sehr, dass wir mitunter sogar mit gutem Gewissen das Böse tun. Dafür gibt es genügend Beispiele in der Geschichte. Darum brauchen wir Menschen wie Jeremia, brauchen Propheten zu allen Zeiten. Die Prophetie hat sich mit den alttestamentlichen Propheten ja nicht erledigt und auch nicht mit Jesus. Vielleicht kann/ sollte man Menschen wie Mahatma Ghandi auch als Propheten bezeichnen oder gar Greta Thunberg. Menschen, die andere darauf hinweisen, wohin ihr Tun führt nämlich, nicht in den Himmel, sondern in den Abgrund.
Es braucht Menschen die uns sagen, es ist nicht zu spät zur Umkehr. Wir können anders leben als bisher. Und wir brauchen keine Angst zu haben. Das Wesentliche wird uns nicht fehlen, wenn wir bescheidener leben und ehrlich zueinander sind und freundlich und den Schwachen aufhelfen und den Großmäulern auch mal vor Augen führen wie lächerlich sie sind.

Dafür kann man Texte der Bibel lesen, zuweilen geht auch Pipi Langstrumpf, die vor 75 Jahren die Welt erblickt hat und die ihre Autorin tapfer allen Unbilden entgegenschickt.

Und ich finde es großartig, wie sie immer an das Gute glaubt, sogar bei den Dieben und Piraten und sie das Fürchten und das Gute lehrt.

Aus der Bibel lässt sich lernen, von Pipi Langstrumpf oder genauer von Astrid Lindgren, von Mahatma Gandhi, von Greta Thunberg und von unseren Konfirmanden. Eine schrieb mir auf die Frage: was sollten die Menschen aus dieser Krise lernen: es kommt nicht darauf an mehr zu haben, sondern das zu schätzen, was man hat: Freunde

Mir helfen Menschen mit ihren Gedanken und dem Tun des Gerechten Gott zu erkennen in unserer Welt. Und so möchte ich mit ihnen allen, und an der Seite Israels aktiv warten, dass sich die Verheißung Gottes erfüllt.

Und immer da, wo etwas von Güte und Mitmenschlichkeit gelebt wird, da werden die Buchstaben der Tora lebendig, da wird der Himmel Gottes sichtbar und erfahrbar.
Amen.

 

 

Annäherungen an den Predigttext vom Sonntag Rogate - dem Vaterunser bei Mt im 6. Kapitel mit Bezug zum Tansaniasonntag unter der Überschrift:
"Elimu haina mwisho - Man lernt nie aus"

von Matthias Simon

Es war nicht in Tansania, sondern in Finnland.
Die Mauer war noch nicht gefallen. Es war im Mai 1989. Ich durfte mit 5 anderen Jugendlichen nach Tampere zum Kirchentag reisen.
Was für ein Abenteuer damals – nicht nur zu wissen, zu ahnen, sondern tatsächlich zu erleben: Die Welt ist nicht am Kap Arkona zu Ende. Hinterm Horizont geht´s weiter. Viel weiter!
Mit einem großen Schiff nach Malmö, mit einem noch größeren von Stockholm nach Turku. Und dann in einer fremden Welt, deren Sprache ich nicht, nicht mal ansatzweise verstand.
Mit meinem Schulenglisch ging es schon ein bisschen, aber der Moment, den ich nicht vergesse, ist ein Gottesdienst ohne gesprochene Worte bis auf die des Vaterunsers.
Bunt gekleidete Clowns kamen herein, tanzten, wurden plötzlich ernst. Weinten zeigten ein Schild hoch: Meine Schuld stand darauf und jeder schrieb etwas auf. Sie sammelten das ein, warfen es in eine Tonne, brannten es an, rührten mit einem Holzkreuz alles um und kamen dann mit der Asche herum und malten jedem ein Aschekreuz auf die Stirn. Und dann beteten alle in ihrer Sprache:

Vater unser im Himmel – und das war ein Gänsehautmoment.
Es war so ehrlich, und wir alle, die wir uns eigentlich nicht kannten waren uns so nahe und Gott war mitten unter uns.
Und ich habe gelernt, das das Vaterunser nicht mein, sondern unser Gebet ist. Dieses Gebet hat etwas verbindendes: Es verbindet mich mit anderen im „uns“.
Das Vaterunser – ein kleines Gebet, das die große Welt umspannt.
Und so habe ich begriffen: hinterm Horizont geht’s weiter und mit Gott können wir tatsächlich über Mauern springen, sowohl über physische als auch sprachliche.


Begegnung braucht am Anfang nicht viele Worte, aber das ganze Herz.
Das habe ich damals in Tampere in Finnland und das habe ich bei vielen Begegnungen in Tansania erfahren.

Vieles, ja das meiste an Worten verstehe ich nicht und manchmal versteht man auch etwas völlig falsch und dann wird es aufgeklärt und wir lachen uns kaputt.

Das sind lustige und tiefe Momente und eigentlich lernen wir voneinander gerade durch das nicht gleich verstehen. Wir lernen durch nachfragen und durch den Wechsel der Perspektive, durch den Versuch sich in den/die anderen hineinzuversetzen.

 

Ja warum ruft ein Bischof in Tansania auf, trotz Corona Gottesdienst zu feiern. Das ist doch verrückt denke ich und das ist verantwortungslos und das ist ignorant und das ist abergläubig.

Und ich unterstelle ihm, dass er um die Gefahren nicht weiß und glaubt den Virus weg beten zu können.
Aber so einfach ist das nicht. Der Bischof ist gar nicht abergläubig oder ignorant und erst recht nicht verantwortungslos. Er sieht, was die Menschen brauchen um nicht verloren zu gehen in dieser Krise.

Das Einkommen ist für viele weggebrochen, wie gerade für die Lehrer an unserer Partnerschule, die wie alle seit 16. März geschlossen ist.
Sie haben die üblichen Existenzbedrohungen und noch eine mehr. Und sie haben ihr Gebet. Das ist ihr Halt. Wenn sie das nicht mehr haben, nützt vielleicht auch der Mundschutz nicht mehr.
Ich weiß nicht, wie sie schließlich Gottesdienst gefeiert haben, aber ich weiß, das das Gebet für sie alle lebensnotwendig ist. Und die Leute sind nicht dümmer als bei uns. Ich glaube ich kann das nur verstehen, wenn ich ihre Perspektive einnehme. Das geht natürlich nicht wirklich. Aber ich lerne, dass meine Sicht der Dinge nicht die einzige ist und nicht die allseits gültige sein muss.
Für viele Menschen bei uns ist das Gebet nicht so existentiell, für viele Menschen in Tansania schon. Das ist der Unterschied. Und was ließe sich alles daraus lernen! Das Vaterunser hat den anderen im Blick.

Elimu haina mwisho - Man lernt nie aus.

 

Predigt zu 2. Chronik 5, 2-5.12-14
zum Sonntag Kantate
mit Auszug aus dem Kirchengebäude wegen anstehender Sanierung von St. Marien

von Matthias Simon

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.  12 Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Alle sind hier versammelt vor dem Eingangsportal. Alle aus unserem Gemeindekirchenrat, auch ehemalige. Die Bürgermeisterin ist da, der Bäckermeister, der Schuhmacher, der Gastwirt, unsere Kitaerzieherinnen, Lehrer und… und…. und… - Und natürlich die Bauleute.
Alle Glocken läuten. Dann gehen Ricarda und die Kinder unserer Kinderkreise voran. Sie tragen die Bibel, Blumen, Brot, Traubensaft. Frau Benzel trägt das Abendmahlsgerät, Frau Dorendorf die Taufschale, Frau Schulze die Osterkerze.
Die Orgel erklingt mit ganz neuen Tönen. Wir ziehen in unsere Kirche ein und singen. Wir singen zu den Klängen der sanierten Orgel und wir singen mit der Jugendband. Und Gott singt mit uns. Und Gott feiert mit uns. Und Gott spricht zu uns. Gott hört zu wie Norbert und ich uns Gedanken über ein biblisches Wort machen. Und andere melden sich zu Wort. Einer sagt: ich zweifle. Eine andere sagt: ich hoffe. Wieder eine sagt: Ich höre den Ruf.
Keiner sagt: So ist das und so müsst ihr es verstehen. Auch Gott sagt das nicht. Das Gemeinsame aber geschieht dann wieder: Alle stimmen ein in den Lobgesang. So verschieden wir denken, glauben, hoffen, so singen wir gemeinsam und auch da in verschiedenen Stimmen. Und so verschieden wie die Stimmen klingen und so wie Herr Schekatz und Herr Trebesius und Herr Meis mit ihren Posaunen und Trompeten den Gesang verstärken, so klingt es, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und in diesem Moment spüren es viele, vielleicht alle, dieser Ort ist ein Besonderer und der Ewige ist gegenwärtig.
Und Gott bleibt gegenwärtig. Auch als der Gottesdienst zu Ende ist, sitzt Gott mit hinten im Kirchencafé und mag nicht gehen, weil es ein so schöner, ein so einladender Ort geworden ist.

Und so geht es vielen. Man will verweilen. Toiletten sind ja auch da, also kein Grund zum eiligen Aufbruch.

Und ich stehe dabei. Ich freue mich, dass so viele gekommen sind. Ich denke daran, wie wir vor unglaublich langer Zeit ausgezogen sind aus dieser Kirche mit gemischten Gefühlen. Aber heute spüre ich, es hat sich vieles geändert, nicht nur äußerlich am Gebäude. Eins aber weiß ich auch: Gott hat mit uns gebangt und gehofft. Gott hat mit uns geschwiegen, als wir nicht singen konnten. Gott hat mit uns getrauert, als wir an die Toten dachten. Und Gott hat uns zugesagt: Ich bin bei Euch wo immer ihr seid. Ja, ich bin mitunter unscheinbar, mitunter nur in einer Träne, die ein Mensch vergießt, manchmal aber in einer Wolkensäule und fast immer in den Klängen, die Euer Herz erreichen wollen. So höre ich Gott.

 

Ja, liebe Gemeinde, so ist das, wenn ich mit den Worten der Chronik und der darin beschriebenen Tempeleinweihung Salomos zurück und in die Zukunft unserer Kirche denke.
Dann sehe ich das alles und noch viele andere farbige Bilder vor mir und höre die Musik in mir und will heute, da noch ein ziemlicher Weg vor uns liegt diesem Weg und unserem Wegbegleiter, dem Gott Abrahams Sarahs und Jakobs trauen. Amen.

 

 

 

Wort zum Sonntag Jubilate

von Matthias Simon

Predigttext Johannes 15,1-8
Übersetzung: M. Luther

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg;
und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt
und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Jubilate, jubeln, sich freuen – so ist dieser Sonntag überschrieben.

Es gäbe ja eigentlich viele Gründe, sich trotz aller Einschränkungen zu freuen: Die Blumen im Garten, das Wachsen und Gedeihen, das Lächeln eines Kindes, den Spargel zum Mittagessen, vielleicht ein Gläschen Saale-Unstrut Wein....

Die Freude an diesem Sonntag Jubilate ist auch bei mir etwas verhalten. Aber diese Gedanken an schöne Momente und viele Lebensbilder kamen mir in den Sinn, als ich das Thema des Sonntags bedachte. Und ich brauche auch solche Bilder in mir, gerade jetzt, da vieles verunsichernd wirkt.
Im ersten Moment dachte ich auch, dass der heutige Predigttext Freude zum Ausdruck bringt.

Mit dem Bild vom Weinstock sind ja tatsächlich die Geschmacks-nerven angesprochen, doch sogleich mischt sich ein bitterer Beigeschmack ein, wenn von den Reben die Rede ist, die vertrocknet sind.
Was das Abschneiden an einem Weinstock anbelangt, kann ich nachvollziehen, dass vertrocknete Reben nichts taugen. Dieses Bild auf Menschen anzuwenden, ist mir aber fremd.
Da ist Jesus, wie ihn Johannes sieht, der mit der Rebschere Gottes droht, die allem den Gar aus machen will, was nicht Frucht bringt. Beklemmend und einschüchternd wirkt das auf mich:

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Das heißt, die nicht mit Christus verbunden bleiben, sind zum Abfall verdammt.

Das predigten und predigen wohl all jene auch heute noch gern, die meinen, mit Drohworten den einen oder anderen in der Kirche halten zu können. Das denken und predigen manche wohl aus einer Verbitterung heraus, dass gegen alle Hoffnungen Kirche nicht wie der blühende Weinstock ist, sondern eher eine mickrige Pflanze, wo man nicht weiß, ob wieder etwas wächst oder nicht.

In diesen lähmenden, bedrohlichen Worten des Abschnitts aus dem Johannesevangelium spiegelt sich eine Angst. Es ist die Angst der Gemeinden der johanneischen Zeit (im 2. Jh.) im nördlichen Palästina vor einem zweifelnden, kraftlosen Christentum.

Jüdisch gebliebene und christlich gewordene Gemeinden begegnen einander als Feinde. Die Situation ist bedrängend. Da braucht es Worte gegen die Angst, gegen die Angst vor Austritten und Übertritten.

Es ist die gleiche Angst vieler in unserer Kirche, dass das Christentum kraftlos wird.


Es ist die Befürchtung, dass manche von denen, die sich noch der Kirche zugehörig fühlen, ihr schließlich doch den Rücken kehren.

So sehr ich die Frustration des Johannes und mancher seiner wie auch unserer Zeitgenossen nachvollziehen kann, so befremdlich erscheint mir heute eine Art der Gemeindewerbung mit Drohworten. Darin kann ich den Gott der Bibel, der sich auch durch Zorn und Enttäuschung hindurch unablässig um sein Volk müht, nicht erkennen.

Ich jedenfalls will mich nicht jenen anschließen, die mit der Rebschere Gottes anderen Menschen drohen.

Ich mag statt abschneiden lieber neu aussäen und pflanzen. Und da merke ich, dass ich nicht allein bin. Ich entdecke gerade in diesen Tagen so viele Möglichkeiten:
Eine spielt Trompete vor einem Pflegeheim, ein anderer zieht mit einer elektronischen Orgel vor die Senioreneinrichtungen und spielt. Die Menschen sind begeistert. Es kommt etwas von Lebensfreude zurück. Es gibt zahllose Videoandachten. Manche traditionell, andere sehr fantasievoll. Es werden so vielleicht Menschen erreicht, die sonst nie in eine Kirche gegangen wären.
Und es ließe sich so viel aufzählen, wo einzelne etwas tun, etwas an Mut und Zuversicht, und Mitgefühl für andere ausstrahlen.

Jesus selbst hat so gelebt, als ein Mensch, dem der Nächste, der Einzelne wichtig war, wohl wissend, wie viel Frucht ein einzelner Mensch bringen kann. Und er hat nicht gefragt, was einer glaubt, wie nah er Gott oder dem Judentum stand. Er hat den anderen vorbehaltlos angenommen. Und das können wir auch versuchen.
Und ich glaube, das würde Gott gefallen.

 

 

 

Wort zum Sonntag MISERIKORDIAS DOMINI
Die Barmherzigkeit des Herrn

Psalm 23
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Predigttext 1 Petr 2,21b-25
Übersetzung: Hoffnung für alle

Denn dazu hat euch Gott berufen. Auch Christus hat ja für euch gelitten, und er hat euch ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt.
22 Er hat sein Leben lang keine Sünde getan; nie kam ein betrügerisches Wort über seine Lippen. 23 Beschimpfungen ertrug er, ohne mit Vergeltung zu drohen, gegen Misshandlungen wehrte er sich nicht; lieber vertraute er sein Leben Gott an, der ein gerechter Richter ist. 24 Christus hat unsere Sünden auf sich genommen und sie am eigenen Leib zum Kreuz hinaufgetragen. Das bedeutet, dass wir für die Sünde tot sind und jetzt leben können, wie es Gott gefällt. Durch seine Wunden hat Christus euch geheilt. 25 Früher seid ihr herumgeirrt
wie Schafe, die sich verlaufen hatten. Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten zurückgekehrt, zu Christus, der euch auf den rechten Weg führt und schützt.

Gedanken zum Predigttext
von Matthias Simon

Mahnung an die Sklaven – so lese ich die Überschrift über dem Text für den Sonntag in der Übersetzung der Lutherbibel.
Und da bleibe ich sogleich unangenehm hängen. Wer sind diese Sklaven so will ich fragen. Im gleichen Moment habe ich das Gefühl selbst so einer zu sein. Versklavung ist Unfreiheit, ist Mächten auf Gedeih und Verderb ausgesetzt sein und bedeutet, dass man selbst nicht viel wert und von keiner besonderen, erst recht keiner systemrelevanten Bedeutung ist.
Teile dieses Gefühls kennen sicher viele Menschen in diesen Tagen und für manche ist es kaum noch auszuhalten. Gewiss beruht mein Gefühl auf der derzeitigen Coronakrise und allem, was sie mit sich bringt und unterscheidet sich damit von dem der Sklaven im ersten Jahrhundert.

Was mir aber auffällt in diesem Brief ist: Es gibt keine Aufforderung zum Aufstand.
Der Apostel klagt auch nicht mit den Sklaven, er spricht sie als vollwertige Menschen an. Damit gibt er ihnen etwas:
Er holt sie aus der Rolle des armen Opfers heraus. Er gibt ihnen ein anderes Bild von sich selbst. Sie sind wichtig. Sie gehören zu Christus. Sie sollen seinem Beispiel folgen.
Mit dem Schlagwort unserer Tage könnte ich sagen, sie sind systemrelevant.
Die in diesem Brief angesprochenen Sklaven sind relevant für die Ausbreitung des Glaubens. Sie waren jene Ersten, die sich zu Christus bekannten.

So denke ich, sind auch wir alle, jede und jeder von uns system-relevant. Gewiss ist unsere Kirche besonders hierzulande eine Minderheitenkirche. Wir sind nur Wenige.
Aber für das Verbreiten von Zuversicht und Hoffnung sind wir relevant. Wir Christen mit unserem Glauben sind relevant für eine Hoffnung über alle Versklavung und letztlich über den Tod hinaus. Darum ist es wichtig, dass unsere Kerzen brennen, unsere Glocken läuten unsere Gebete gesprochen werden.
Grundsätzlich glaube ich, dass jeder Mensch für Gott bedeutsam ist und somit für unsere Gesellschaft, für unsere Welt.
Bestätigt fand ich diese Überlegung in den folgenden Gedanken von Markus Zink, die ich auszugsweise hier weiter gebe:

„Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet!“ heißt es dazu passend in einem beliebten Kirchenlied (EG 317,4). Diese Liedzeile lässt mich aber nicht nur an die offensichtlichen Berufe denken, oder überhaupt an Menschen mit Beruf. Wenn über systemrelevante Berufe gesprochen wird, kann nämlich der Eindruck entstehen, alle anderen seien verzichtbar. Doch das stimmt nicht. Das, was uns Sinn gibt, schenkt der ganzen Gesellschaft Zukunft. Manche, die am sozialen Rand stehen, fühlen sich vielleicht nutzlos. Doch auch auf sie kommt es im Ganzen an. Zum Beispiel lernen wir von den Hilflosen die Hilfsbereitschaft zu üben, die jede Gesellschaft braucht. Denn sonst würden wir sehr schnell am Egoismus zugrunde gehen, wenn nur die Stärksten zählten. Systemrelevant sind auch diese:

·Die demenzkranke Mutter, der Nachbar nach seinem Schlaganfall, das Kind im Rollstuhl. Sie bekommen so viel Liebe von ihrer Familie. Sie stärken unser Lieben-Können. Das strahlt aus wie eine ansteckende Gesundheit.
·Die Reinigungsfachleute, die „Entsorger“, die unseren Dreck anfassen ohne Scheu, damit wir keine Sorgen damit haben.
·Kinder, die spielen, lachen, neue Rollen erproben: Sie schenken uns Zukunft.
·Obdachlosemit ihrem Sammelbecher vor der Bäckerei: Sie machen mir klar, dass kleine Verzichte niemandem wehtun, aber vielbewirken können.
·Die streitsüchtige Nachbarin, die mich Nachsicht und Geduld üben lässt. Sie erinnert mich daran, dass Nächstenliebe und Feindesliebe dasselbe sind.
·Die Erntehelfer und –helferinnen aus Polen, ohne die wir dieses Jahr keinen Spargel und keine Erdbeeren kriegen.
·Die Spaßmacherinnen, die Clowns und alle, die ihre Corona-Witze im Netz verbreiten. Sie trotzen dem Zwang und der Angst.
·Die Künstlerinnen, Schauspieler, Tänzerinnen, Maler und Bildhauerinnen: Sie sind wie das Salz in der Suppe.
Ohne sie wird das Leben fad und ausdruckslos.
·Die religiösen Gemeinschaften in den Kirchen, Moscheen, Meditationshäusern und Synagogen: Sie weiten den Horizont jenseits von Konsum, Klopapier und Hygienesprays.
·Die Schuhverkäuferin, die mich mit einem freundlich empfängt, wenn ich zum vierten Maldieselben Schuhe anprobiere, ohne sie zu kaufen. Sie beweist mir, dass Kunden nicht nur wandelnde Portemonnaies sind.
.·Die Erzieherinnen, die den Kindern mit Geduld und Erfahrung als Beispiel vorangehen, um sich im Laufe des Lebens von ihnen überholen zu lassen.
·Die Lehrer, die kritisches Denken fördern, damit wir auch in Zukunft frei leben können, und die ihr Fach lieben, um Neugier und die Liebe zum Lernen zu wecken. …

Sie alle sind systemrelevant. Sie und viele mehr.
Du bist systemrelevant. Denn Gott hat „deinen Stand sichtbar gesegnet“: deinen Platz in der Gesellschaft, in deiner Familie und deinem Umfeld.
Du bist gesegnet. Du wirst gesehen. Du wirst gebraucht. Du hast alles, was es braucht, um anderen gut zu tun. Selbst wenn du nichts tun kannst, was Geld bringt, Ansehen oder Erfolg. Selbst wenn du zweifelst, ob dein Beruf und deine täglichen Mühen als systemrelevant gelten. Da ist noch viel mehr–Gott sieht es. Andere sehen es auch. Die, welche mit Gottes Augen sehen. Die auch das Verborgene sehen. Lobe die göttliche Kraft, die in dir ist, dich ins Leben stellt, mit anderen und für andere. Du bist ein Segen.

(Quelle: Zentrum Verkündigung der EKHN.)

Dass wir so ein Segen sein können, dazu hat uns Gott berufen.
In Christus haben wir ein Besipiel, dem jede und jeder folgen kann.
Das will ich versuchen, an der Stelle, an der ich bin.
Und ich will darauf vertrauen, dass Gott mich führt wie einst den Dichter des 23. Psalms.

Amen.

 

Sonntag Quasimodogeniti

 

Predigttext Jesaja 40,26-31
Israels unvergleichlicher Gott (Ü.: Luther V26/ Gute Nachricht V27ff)

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Ihr Leute von Israel, ihr Nachkommen Jakobs, warum klagt ihr:
»Der Herr kümmert sich nicht um uns; unser Gott lässt es zu, dass uns Unrecht geschieht«? 28 Habt ihr denn nicht gehört? Habt ihr nicht begriffen? Der Herr ist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, seine Macht reicht über die ganze Erde; er hat sie geschaffen! Er wird nicht müde, seine Kraft lässt nicht nach; seine Weisheit ist tief und unerschöpflich.
29 Er gibt den Müden Kraft und die Schwachen macht er stark.
30 Selbst junge Leute werden kraftlos, die Stärksten erlahmen.
31 Aber alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen.

Seht doch nur in die Höhe! Hebt euren Blick! So Ruft der Prophet den niedergeschlagenen zu. Die Israeliten in babylonischer Gefangenschaft waren ermattet, sie sind müde geworden, hoffnungs- und kraftlos.
Sie haben die Hoffnung verloren, dass sich noch etwas ändern kann.
Sie trauen sich selbst nichts mehr zu. Gejammert und gestöhnt haben sie, vielleicht auch mühsam nur noch ihre Schritte gesetzt: Wir können nicht mehr. Und ihrem Gott trauten sie wohl auch nichts mehr zu. 
Wo hilft uns unser Gott? Sie spüren keine Sehnsucht mehr in sich nach einem anderen Leben, nach dem aufrechten Gang, nach der Freiheit. Niedergeschlagen sind sie, den Blick zum Boden gerichtet, gebeugt so stelle ich sie mir vor.
Und dann lese ich die Worte des Propheten aus unserem Predigttext – eine Ermutigung für die Israeliten sollen sie sein.
Den Blick heben, in die Weite sehen, das kann ein erster Schritt sein.
Und dann erinnert der Prophet die Israeliten in der Fremde, an das was sie und ihre Vorfahren schon mit Gott erlebt haben.

Heute würden wir vielleicht sagen: er erinnert an ihre Ressourcen,
an die Hoffnungen und Träume, an die Geschichten des Volkes mit Gott: ihr Nachkommen Jakobs, so redet er das Volk an, und erinnert damit auch an den Traum des Jakob von der Himmelsleiter. Auch er war in der Fremde auf der Flucht vor seinem Bruder, den er betrogen hatte.
Von Menschen und von Gott verlassen fühlte er sich. Und dann träumte er, dass dort bei ihm eine Leiter war, die bis zum Himmel reichte und auf der die Engel herab und heraufstiegen und die Verheißung Gottes hörte er, die ihm zusicherte: Ich bin da wo du auch hingehst!
Gott ist da! Gott ist mit euch! Daran erinnert der Prophet die Israeliten. Gerade dann, wenn Menschen müde werden, wenn auch den Starken und den Jungen die Kräfte und die Hoffnung schwinden. Dann schenkt Gott neue Kraft. Immer wieder haben das Menschen erfahren, die Bibel steckt voller Geschichten von neuem Mut, vom Aufbruch, von neuen Anfängen.

Wie sehr das Erzählen von Geschichten Kraft geben kann für den Weg, haben wir mitunter auf Wanderungen mit unseren Kindern erfahren. So denken wir gern an eine Wanderung in den Alpen.

Wir wollten eine Berghütte erreichen – unsere Töchter nicht. Da stand am Wegesrand ein Schaukasten mit einem Plakat. Eine gute Gelegenheit zum Stehenbleiben und Ausruhen für unsere Mädchen.
Eine junge Frau mit langem schwarzem Haar war dort zu sehen. Es war ein Plakat für ein Theaterstück, das im Sommer in der Gegend gelaufen war. Das Geheimnis von Madrisa, so oder so ähnlich hieß das Stück. Wir hatten keine Ahnung, wer diese Madrisa sein könnte, wussten nur, dass in der Gegend ein Berg so heißt.

Da kam uns die rettende Idee und Karen sagte: Kommt, beim Weitergehen erzähle ich euch die Geschichte von Madrisa. Die Mädchen waren halbwegs einverstanden, sie gingen jedenfalls mit uns weiter.

Und so fing Karen an zu erzählen mit dem, was ihr zuerst einfiel:
Im Sommer waren wir in Dänemark und haben im Auto immer eine Kassette mit einem Lied gehört: „Erzähl doch keine Märchen, Hans Christian, Hans Christian. Fang doch nicht schon wieder mit deinen Geschichten an, Hans Christian.“ Dieses Lied fiel ihr ein und so begann sie die Geschichte mit Hans Christian Andersen und wie er einmal in Österreich durch die Alpen wanderte und dabei die schöne Madrisa traf. Es war natürlich alles frei erfunden, aber die Kinder hörten zu und liefen mit neuer Kraft. Irgendwann ging Karen die Puste aus, gerade wo es bergauf ging – und so musste ich weitererzählen und dann wieder Karen... und wir liefen und liefen und erreichten schließlich unser Ziel, das Hasahüsli. Und nach der Stärkung dort war der Rückweg gar nicht mehr schlimm.

Gut, wenn jemand da ist, der in Zeiten der Müdigkeit sagt: Hebe doch den Blick. Sieh in die Weite. Erinnere dich an das Gute, dass du erlebt hast. Und der uns erinnert und erzählt von der Güte und der Liebe Gottes. Und genau das können wir jetzt in diesen Tagen tun. Wir sehen das Ende des Weges noch nicht. Da ist es gut, Geschichten zu erinnern, die ermutigen. Die von Jakob (1. Mose 28ff), oder die von Thomas, der eine Weile brauchte um den Auferstandenen zu begreifen. (Johannes 20)
Ich möchte Geschichten erinnern und erzählen, und so an die Nähe Gottes erinnern und ihm trauen, dass auch ich, dass wir neue Kraft bekommen, dass wir auffahren mit Flügeln wie Adler, dass wir laufen und nicht matt werden, dass wir wandeln und nicht müde werden. Amen.

von Karen und Matthias Simon

Ostern 2020 findet trotzdem statt!

 

Der Karfreitag hat die Nachricht verbreitet, Jesus ist tot.
Tod ist Ende, Schlusspunkt. Aus.

Ostern verkünden wir: Der Tod ist das Ende nicht.
Und wir, Christen, sind Leute, die sich nicht einfach mit dem Tod abfinden. Wir nehmen den Tod nicht schweigend hin.
Nicht den Tod durch Corona, nicht den Tod durch Kriege noch irgendeinen Tod.
Dem Tod die Botschaft des Lebens entgegen halten.

Lesung: Jesu Auferstehung

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach,

kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu

sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des

Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und

setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand

weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm

und wurden, als wären sie tot. 5 Aber der Engel sprach zu den Frauen:

Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht

die Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern:

Er ist auferstanden von den Toten.     Matthäus 28, 1-7

 

Da sehe ich diese beiden Frauen vor mir. Sie kommen zum Grab.
Gerade dachten sie noch darüber, wer ihnen den Stein weg rollt.
Da  - der Stein ist weg und sie gehen hinein.
Da sitzt einer, der sagt ihnen: Habt keine Angst.

Ihr sucht Jesu von Nazareth, den Gekreuzigten.
Hier ist er nicht. Er ist nicht im Tod geblieben. Er ist auferstanden.
Geht!
Sagt es euren Freunden und Petrus:
ER geht euch voran nach Galiläa.
Dort werdet ihr ihn sehen.

Da kommen die Frauen heraus aus dem Grab.

Vor Schrecken erzählen sie niemandem etwas – so hat es der Evangelist Markus aufgeschrieben.
Der Evangelist Matthäus dachte dann wohl: Wie werden es denn die anderen erfahren haben.
Die Frauen müssen es weiter erzählt haben.
So endet seine Ostererzählung anders, als die von Markus:
Die Frauen verließen eilends das Grab voll Furcht und Freude und liefen um es den Jüngern zu verkünden.

Furcht und Freude – diese Gefühlsmischung bewegt viele an diesem Osterfest. Furcht über die Ungewissheit der Coronakrise. Furcht davor, sich anstecken zu können. Furcht, dass alles ein schlimmes Ende nimmt.

Dagegen Freude: Freude allein schon, wenn ich aus dem Fenster schaue und den Frühling sehe. Freude darüber, dass wir Ostern daran erinnert sind: Der Tod kann uns nicht schrecken.

Die Jünger hatten sich damals vor Furcht in ihren Häusern versteckt.
Sie hatten sich zurückgezogen, nachdem sie glaubten: Da ist nichts mehr zu machen.

Da ist noch was zu machen. Das, so kann ich mir vorstellen, war es, was die Frauen in diesem Augenblick wussten.

Und dieses Wissen, diesen Glauben können sie unmöglich für sich behalten haben. Nichts kann uns trennen von Gott.
Diesen Glauben in die Welt tragen, das wollen wir tun mit allen Möglichkeiten, die wir haben – einer Postkarte, einem Brief, einer Kerze, einer Blume, einer mail, einem Anruf.

Den Glauben in die Welt tragen, der Glaube der uns sagt,
was Ostern ist:
Auferwecken. Weitersagen. Weitersehen.
Knospenspringen. Himmelszeichen. Allermorgenanfang.
Wortsuche
für das Leben.
Auferstehung.

 

9. April 1945 -2020
Gedenken an Dietrich Bonhoeffer

Mensehen gehen zu Gott in ihrer Not,
?ehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Menschen gehen zu Gott in seiner Not,
?nden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden.

Aus: Widerstand und Ergebung

Hoffnung auf Verwandlung - Wort zum Palmsonntag 2020
von Karen Simon-Malue und Matthias Simon

 

In diesen Tagen der Beschränkung auf zu Hause sehen wir wieder einmal gern alte Filme. Wir suchen vor allem die heraus, die gut ausgehen, in denen sich  etwas zum Guten verändert.

Etwa der Film „Zugvögel – Einmal nach Inari“ aus dem Jahr 1997, ein Film für Krimi- und Eisenbahn- und Skandinavienfans.  Natürlich gehört auch der Klassiker „Casablanca“ dazu.

Im Blick auf Palmsonntag wäre nun der Einzug Jesu in Jerusalem dran, der sicher auch verfilmt worden ist. Aber diese Verfilmungen überzeugen selten. Und wir brauchen dafür auch keinen Film…

Ich sehe diesen Einzug Jesu in Jerusalem vor mir: Ich sehe die Gesichter der Menschen, die Freude und die Hoffnung in ihren Augen: Da kommt er und er kommt ganz anders als all die anderen Mächtigen. Die Schriftkundigen haben es sofort gemerkt, sie wussten ja, was es bedeutet; er kommt wie der angekündigte Messias, reitend auf einem Esel, auf dem Füllen eines Esels, das heißt friedfertig ohne Gewalt und Macht. Er wird die Mächtigen vom Thron stürzen.

Es wird alles anders, darin waren sich die Schriftkundigen einig, in diesem Moment beim Einzug in Jerusalem.
Denn sie hatten das alte Prophetenwort vor Augen und so jubelten sie ihm zu. Hosianna! Gelobt sei der Kommende! –
Viele ließen sich mitreißen und jubelten. Auch die, die gar nicht so überzeugt waren, aber was gibt man nicht alles
auf ein Fünkchen Hoffnung auf bessere Zeiten. 

Und wir heute, was erhoffen wir uns in diesen Tagen? Ein Medikament, das gegen Corona hilft, einen Impfstoff, bessere Ausstattung mit Schutzkleidung natürlich usw. Und dann? Eine baldige Rückkehr zum normalen Leben, wie es vorher war? 
Das haben damals vielleicht auch manche gehofft. Sie haben in Jesus den gesehen, der sie rettet um dann wieder normal selbstbestimmt leben zu können. Sie gingen Jesus mit Palmzweigen entgegen. Palmzweige, die sonst bei Triumphprozessionen gebraucht wurden, sollten hier Zeichen des Sieges sein.

Doch wir wissen, dass es nicht zu dem von vielen erhofften Sieg führte. Ich mag das Wort Sieg auch nicht so besonders. Denn  Sieg bedeutet auch  Niederlage, Triumph für die einen bedeutet Erniedrigung für die anderen…
Und der Weg Jesu war ja von Anfang an ein Weg nicht an der Seite der Mächtigen, der Gewinner, sondern an der Seite der Armen, der Außenseiter, der Kinder und Kleinen Leute. Ein Weg des Gebens, nicht des Nehmens..
Ein Aufstand, eine Revolution, das war nicht seine Sache. Er ging den Weg bis in die tiefsten Täler des Lebens, wurde verraten verurteilt und starb schließlich am Kreuz.

Die Lebensgeschichte Jesu endet mit seinem tragischen Tod und der Verzweiflung seiner Jünger.
Nichts war mehr so wie vorher. Aber die Geschichte war ja nicht zu Ende. Es begann etwas ganz Neues.  Davon erzählen wir zu Ostern.

Was uns heute helfen kann, ist das Wissen, dass die Jünger aus dieser Geschichte anders heraus gingen, dass sich in ihnen etwas gewandelt hat.
Und das ist auch unsere Hoffnung für uns heute in der gegenwärtigen Krise. Lassen wir uns nicht durch Ängste und Sorgen lähmen. Schauen wir nicht zuerst auf das was nicht mehr geht, sondern auf das, was Gott uns an Kraft, Ideen und an Solidarität schenkt.

Übrigens endet einer unserer Lieblingsfilme „Casablanca“ aus dem Jahr 1942 auch nicht mit einem Happy End sondern mit einer Verwandlung.
Der eigentlich egoistische Barbesitzer Rick, großartig gespielt von Humphrey Bogart, verzichtet am Ende auf seine große Liebe (gespielt von der wundervollen Ingrid Bergmann). Rick rettet damit anderen das Leben und außerdem ist es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Ein Film, der sich wieder einmal anzuschauen lohnt.

Lassen also auch wir uns verwandeln durch den Geist Gottes, der allezeit in unserer Welt wirkt. Amen.

Schaffe mir Recht – Gedanke zum Sonntag Judika 2020
von Matthias Simon                                                                            29.März 2020

1 Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! 2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, 4 dass ich hineingehe zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. 5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Psalm 43

So hast Du unbekannter Dichter einst gebetet.
Mit deinem Gebetsruf ist nun sogar ein Sonntag benannt. Judica.
Als Du gebetet hast, warst du bedrängt von Feinden.
Dein ganzes Volk war geknechtet und bedrängt.
Es gab viel Rechtsbruch. Die Mächtigen nahmen.
Die Ohnmächtigen  gaben.
Sie gaben meist ihre Hoffnung dahin.
Doch du wolltest, dass sie nicht verzweifeln.
Du wolltest, dass sie wissen:
Recht und Gerechtigkeit werden sich durchsetzen.
Und Gott steht dafür ein.
Doch lese ich Zweifel in deinen Worten.
Du meintest, Gott könnte dich verlassen haben.

Ja, diese Zweifel kenne ich.
Diese Zweifel kennen viele gerade in diesen Tagen.
Wo ist Gott. Schaut Gott nur zu?
Ist Gott ohnmächtig?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, was Gott verheißen hat:
eine neue Welt, in der es kein Unrecht, keine Klage, keine Tränen, keinen Tod mehr gibt.

Aber hilft das jetzt und hier?
Da lese ich:
Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir.
                                                                                              Hebr13,14
Ja, bei dieser Suche will ich dabei sein.
Und ich will gern andere mitnehmen auf diese Suche.
Ich habe ein Bild vor Augen von dieser Stadt.
Nicht so kühn wie andere, aber kühn genug:
Menschen sitzen wieder in Cafés.
Menschen tanzen und singen und lachen.
Menschen spielen Theater.
Wir alle leben in dieser Stadt, die noch die gleiche
und doch eine andere ist.
Das Andere sieht man bei genauerem Hinschauen
und Hören und Atmen:

Handgeben ist nicht nur eine Geste.
Flugzeuge sieht man nur noch wenige am Himmel.
Kreuzfahrten unternimmt man mit dem Fahrrad um andere kreuz und quer zu besuchen und die Heimat neu kennenzulernen.
Die Luft ist eine ganz andere geworden.
Man hört die Vögel, sogar mitten am Tage mitten in der Stadt.
Das Grün ist intensiver.
Der Brunnen auf dem Markt lädt zum Abkühlen ein, nicht nur Kinder.
Menschen sitzen an vielen Stellen der Stadt
in den neu entstandenen Cafés.
Was man sich nicht alles zu erzählen hat.
Und es gibt Musik auf Straßen und Plätzen.

Und in der Kirche stoßen wir mit Gott auf das Leben an und feiern.

Nun, das ist nicht das himmlische Jerusalem, aber eine Stadt wie unsere, die ich suche, die ich ersehne und die wir alle erleben können.
Diese Stadt ist ein Vorgeschmack auf das, was du, unbekannter Dichter des Psalms, was Du Briefschreiber an die Hebräer als heilige Wohnung Gottes, als zukünftige Stadt verheißen hast.

 

 

 

Manchmal hilft ein GEBET, wie dieses:

GEBET zum Sonntag Lätare, 22. März 2020
mit Bezug zu Jesaja 66,13
von Doris Joachim, Zentrum Verkündigung der EKHN

Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht.
In diesen Tagen.
Wo alles so anders ist.
So durcheinander.
Wo die Sonne lacht
und wir die Freude vergessen.
Wo die Natur neues Leben hervorbringt
und wir in Ängsten sind.
Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.
 
Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Alten in den Pflegeheimen,
die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst.
Und den Kranken,
die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind.
Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen
und die Einsamkeit fürchten.
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.
 
Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren.
Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist.
Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen.
Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten. 
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.
 
Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind.
In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo.
In den griechisch-türkischen Grenzgebieten.
Und lass dir erzählen von den vielen Menschen,
dort und hier,
die helfen und nicht müde werden.
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.
 
Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus.
Der uns umhüllt.
Und Segen dazu.
Der uns immun macht
gegen die Panik.
Sage zu unserem ängstlichen Herzen:
„Beruhige dich.“
Sprich zu unserer verzagten Seele:
„Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“
 
Und noch dazu und allem zum Trotz:
Gib uns die Freude wieder.
An der Sonne.
An der aufbrechenden Natur.
An den Menschen, die wir lieben.
An dir, du Gott des Lebens.
Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.

© Zentrum Verkündigung der EKHN

 

GEBET vom Sonntag Okuli 2020

Covid-19 – Corona betrifft nun längst auch uns.
Anfangs dachten wir noch, der Virus ist weit weg,
denn China ist weit weg.
Heute spüren wir, wie sehr wir alle miteinander in das Geschehen verwoben sind.

Wir merken, das, was einige betrifft, das betrifft bald viele.
Das betrifft Krankheit, das betrifft aber auch Krieg,
der weit weg und doch sehr nahe ist.

Gott des Lebens und der Liebe

Vieles bedrückt uns in diesen Tagen
und wir brauchen ein Zeichen der Zuversicht.

Viele haben Angst vor Krankheit und Tod.
Viele sind in Not.
Viele suchen einen besseren Ort zum Leben und scheitern.
Viele haben Hunger.
Viele sind allein.

Wir brauchen ein Zeichen der Hoffnung

Wir bitten um Heilung, wir bitten um Frieden. Amen.

 

 

Text aus dem Gemeindebrief zum Weltgebetstag 2020:

Liebe Leserinnen und Leser unseres Gemeindebriefes,

das Titelbild unseres Gemeindebriefes ist ein Bild einer Künstlerin aus aus Surinam, einem Land im Nordosten Südamerikas. Aus diesem Land kommt in diesem Jahr der Weltgebetstagsgottesdienst, der wieder am ersten Freitag im März gefeiert wird.

Dieser Gottesdienst steht unter der Überschrift „Gottes Schöpfung ist sehr gut“ - und das Bild gibt es gut wieder, was den Frauen in Surinam wichtig ist: die wunderbare Natur in ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt – und die Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion die in Surinam friedlich zusammenleben. Die Schöpfungsgeschichte aus dem ersten Kapitel der Bibel haben die Frauen als biblischen Text für den Gottesdienst ausgewählt, in der beschrieben wird, wie Gott aus dem Chaos des Anfangs in sechs Tagen eine gute, wohlgeordnete Schöpfung gestaltete. Das war den Menschen in der Zeit der Entstehung dieser Schöpfungsgeschichte besonders wichtig: Diese Schönheit und Artenvielfalt ist in Surinam ganz offensichtlich. Doch in Surinam erleben die Menschen auch die Zerstörung der Umwelt zum Beispiel durch Bauxitabbau (für die Aluminiumherstellung), die Bedrohung der küstennahen Gebiete durch Fluten und Überschwemmungen, ausgelöst durch den Klimawandel.

„Seht doch, wie schön unsere Welt, Gottes gute Schöpfung ist, die Gott uns anvertraut hat. Seht auch, wie gefährdet sie ist – und nehmt eure Verantwortung für die Bewahrung unserer Welt wahr!“

So rufen uns die Frauen aus Surinam zu mit ihren Gottesdiensttexten und -liedern. „Der Weltgebetstag ist viel mehr als ein Gottesdienst im Jahr! Der Weltgebetstag weitet den Blick für die Welt. Frei nach seinem internationalen Motto „informiert beten, betend handeln“ –„informed prayer, prayerful action“ – macht er neugierig auf Leben und Glauben in anderen Ländern und Kulturen.“ Das deutsche Weltgebetstagskomitee hat in diesem Jahr ein anderes Bild aus Surinam als Titelmotiv für den Gottesdienst ausgewählt, es trägt den Titel: „ Dank an Mutter Erde“.   Obwohl mir auch dieses Bild gefällt, finde ich es schade, dass wir in Deutschland uns nicht auch mit dem Bild in die Gemeinschaft der Betenden in aller Welt einbinden...

In diesem Jahr wird  eine Aktion gestartet mit dem Titel „Stifte machen Mädchen stark“. Im Gemeindebüro (Gärhof 7) und in der Evangelischen Sekundarschule werden Sammelkartons stehen, in die alte, nicht mehr schreibende Stifte (wie Kugelschreiber, Filzstifte, Textmarker) eingeworfen werden können. Durch das Recycling von Stiften unterstu?tzt der Weltgebetstag ein Team aus LehrerInnen und PsychologInnen, das 200 syrischen Ma?dchen in einem Flu?chtlingscamp im Libanon Schulunterricht ermo?glicht. Fu?r 450 Stifte ko?nnen wir zum Beispiel ein Ma?dchen mit Schulmaterial aus- statten und so eine Tu?r fu?r eine bessere Zukunft o?ffnen. Weitere Informationen dazu finden Sie im Internet (www.weltgebetstag.de (unter Aktionen)) und im Gemeindebüro.

 

Lassen Sie sich also einladen zu diesen besonderen Gottesdiensten:  Freitag, 2.3. in Althaldensleben, im katholischen Gemeinderaum um 19.00 Uhr mit Bildern, Texten, Liedern und Speisen aus Surinam

 

Und in St. Marien (Gärhof) feiern wir am Sonntag, 4. März um 10.00 Uhr einen Familiengottesdienst zum Weltgebetstag mit Kinderkantorei, Kindern aus dem Kinderkreis und anschließendem Kirchenkaffee.

Herzlich Willkommen!

Karen Simon-Malue